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Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan Gas 2016-2026

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Die Studie „A Perspective on Infrastructure and Energy Security In the Transition“ macht es deutlich, dass das bestehende Gas-Leitungsnetz der EU ausreicht, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Schon heute werden die bestehenden Flüssiggasterminals nur zu 32%, und die Pipelines nur zu 58% ausgenutzt. Auch in Krisenfällen, z.B. bei extremen Kälteeinbrüchen und unterbrochenen Lieferungen aus Russland, Nordafrika und Norwegen, und im Falle eines rapiden Kohleausstieges in Deutschland wäre die Versorgungssicherheit gewährleistet. Der Bau der Nord Stream 2 Pipeline ist somit unnötig.

Dieser Bericht wurde als Antwort auf die Konsultation des von den Fernleitungsnetzbetreibern vorgelegten Entwurfs des Netzentwicklungsplans Gas 2016-2026 erstellt.

Zusammenfassung

Der von den Fernleitungsnetzbetreibern (FNB) vorgeschlagene Netzentwicklungsplan Gas 2016-2026 (NEP) nimmt an, dass ein struktureller Rückgang des Gasbedarfs um 17% zwischen 2013 und 2026 zu erwarten ist. Angesichts der Energiewende, der europäischen Klima- und Energieziele, und des internationalen Pariser Klimaabkommens ist diese Annahme plausibel. Falls die Klimaziele nachgeschärft werden, neue Technologien sich schneller durchsetzen als erwartet, oder die Integrationen der europäischen Energiemärkte vertieft werden, wird der Rückgang des Gasbedarfes in Deutschland noch stärker ausfallen.

Um den zukünftigen Gasimportbedarf zu berechnen, verwendet der NEP die Annahmen über die Entwicklung der EU-Gasnachfrage und der EU-Gasversorgung vom ENTSO-G TYNDP 2015. Die Annahmen zur EU-Gasnachfrage weisen allerdings erhebliche Fehleinschätzungen auf, die aus einer historischen und systematischen Überschätzung der Gasnachfrage im TYNDP-Prozess entstehen. Diese Diskrepanz hat bereits die Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden und den Europäischen Rechnungshof zu kritischen Stellungnahmen veranlasst. Sie rufen dazu auf, einen Realitätscheck durchzuführen, um die Robustheit und Glaubwürdigkeit des TYNDP-Prozess zu stärken.

Der deutsche NEP hingegen verwendet die TYNDP-Annahmen unkritisch und vernachlässigt jedwede Überprüfung der angenommenen EU-Nachfrageentwicklung und des projizierten Importbedarf angesichts der abweichenden Realentwicklung. Prognosen, die die Erreichung der EU 2030 Klima- und Energieziele vorsehen, sagen einen deutlichen Rückgang sowohl der EU-Gasnachfrage als auch des EU-Importbedarfes über die nächsten 20 Jahre voraus – trotz sinkender Gasaufkommen.

Die Entscheidung der FNB, die Modellierungsvariante Q.2 für die Realisierung der Nord Stream-Erweiterung, ist daher nicht sachgerecht. Sie widerspricht der im Zuge der Dekarbonisierung zu erwartenden Entwicklung bei Gasnachfrage und Importbedarf, sowie den nationalen, europäischen und internationalen Klima- und Energieverpflichtungen. Des Weiteren gibt es nachweislich zuverlässigere und kostengünstigere Alternativen zur Herstellung von Versorgungssicherheit wie z.B. die Steigerung von Energieeffizienz.

Wie die Studie „A Perspective on Infrastructure and Energy Security In the Transition“ zeigt, reicht das bestehende Leitungsnetz der EU aus, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Schon heute werden die bestehenden Flüssiggasterminals nur zu 32%, und die Pipelines nur zu 58% ausgenutzt. Auch in Krisenfällen, z.B. bei extremen Kälteeinbrüchen und unterbrochenen Lieferungen aus Russland, Nordafrika und Norwegen, und im Falle eines rapiden Kohleausstieges in Deutschland wäre die Versorgungssicherheit gewährleistet.

Der Bau der Nord Stream 2 Pipeline ist somit unnötig. Wenn der Ausbau weiterer Erdgasleitungen und Flüssiggasterminals vorangetrieben wird, droht er teure Überkapazitäten aufzubauen. Infrastrukturanlagen wie Nord Stream 2 haben eine erwartete Lebensdauer weit über die nächsten 15 Jahre hinaus. Bis zum Jahr 2050 werden wirtschaftsweite Effizienzsteigerungen und die Elektrifizierung die Gasnachfrage und den Importbedarf scharf reduzieren. Die Wirtschaftlichkeit neuer Investitionen in Gasinfrastruktur ist damit nicht gewährleistet.

Handlungsempfehlungen

Deutschland kann also teure Investitionen in Gasinfrastruktur vermeiden, Verbraucher schützen, und sicher bleiben. Ein angemessener und langfristig ausgerichteter Ansatz zu Gasinfrastrukturen muss vier Komponenten umfassen:

1. Energieeffizienz muss als Infrastruktur behandelt werden

Energieeffizienz bietet eine direkte Alternative zu Gasinfrastruktur. Sie ist langlebig, stellt ein Anlagevermögen dar, erfordert einen hohen anfänglichen Investitionsaufwand, und bietet eine große Wertschöpfungskette an. Um Energieeffizienz prioritär auszubauen sind Reformen zur wirtschaftlichen Bewertung von Energieeffizienzprojekten nötig.

2. Infrastrukturplanung muss mit den Klima- und Energiezielen vereinbar sein

FNB und Übertragungsnetzbetreiber sollten Gas- und Strominfrastrukturplanung auf Szenarien basieren, die nationale, EU- und internationale Klima- und Energieziele berücksichtigen, anstatt sie zu untergraben.

3. Ganzheitliche Infrastrukturplanung mit unabhängiger Prüfung

Gasinfrastrukturplanung isoliert zu betrachten führt zu Fehlentwicklungen und erhöht Kosten. Ein ganzheitlicher Ansatz ist erforderlich, um kostensenkende Synergien zwischen Gas, Strom und Nachfrageseite durch eine transparentere Aufsicht des Infrastrukturbedarfes zu identifizieren.

4. Die langfristige Rentabilität von Infrastrukturen muss gewährleistet sein

Die Energiewende verändert die Wirtschaftlichkeit neuer Infrastruktur fundamental. Die Wirtschaftlichkeit neuer Gasinfrastrukturprojekte sollte über die volle Lebensdauer geprüft und bewertet werden. Projekte, die sich bis 2050 absehbar nicht amortisieren werden, sollten keine Baugenehmigung erhalten, es sei denn, sie amortisieren die gesamten Investitionskosten über einen kürzeren Zeitraum.

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