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Klimadiplomatie im Jahr 2021

Kontext, Fortschritte und Lessons Learned

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The COP26 Presidency consults on The Glasgow Pact in November 2021, a key moment for climate diplomacy.
The COP26 Presidency consults on The Glasgow Pact in November 2021, a key moment for climate diplomacy. Photo via UN Climate Change on Flickr.

Aus den zahlreichen Ergebnissen der Klimadiplomatie und der Vielzahl der in 2021 angestoßenen Initiativen ergibt sich eine lange To-do-Liste an Folgemaßnahmen für die deutsche G7 Präsidentschaft in 2022.

Die enge Abstimmung zwischen der britischen G7-Präsidentschaft, der italienischen G20-Präsidentschaft und der britisch-italienischen COP26-Präsidentschaft sowie die britisch-italienischen Anstrengungen im Vorfeld der COP haben wesentlich dazu beigetragen, dass diese Formate produktiv aufeinander aufbauen konnten. So konnte die zentrale Bedeutung des 1,5°C-Ziels gestärkt und folgende Ergebnisse erzielt werden:

  1. Die G7-Staaten haben sich geschlossen zur Klimaneutralität und einem Ende der internationalen Kohlefinanzierung im Jahr 2022 verpflichtet.
  2. Die G20-Staaten haben sich verpflichtet, in den 2020er Jahren weitere Maßnahmen zu ergreifen, und ihre national festgelegten Beiträge für 2030 falls nötig zu erhöhen.
  3. der Glasgow-Pakt ebnet den Weg für eine Beschleunigung der Klimaschutzanstrengungen – durch die Vereinbarung von Verfahren, mit denen das globale Anpassungsziel ausgearbeitet wird, durch einen Dialog über Unterstützung bei Verlusten und Schäden und einen jährlich stattfindenden runden Tisch auf ministerieller Ebene für die Zeit vor 2030. Parteien, die bislang keine langfristigen Strategien für einen gerechten Übergang zu Netto-Null-Emissionen vorgelegt haben, wurden dazu aufgefordert. Alle Parteien wurden aufgefordert, ihre Bemühungen, um den schrittweisen Ausstieg aus der ungebremsten Kohleverstromung, und die Abschaffung ineffizienter Subventionen für fossile Brennstoffe zu beschleunigen und ihre Ziele für 2030 zu überprüfen und gegebenenfalls zu erhöhen, um bis Ende 2022 eine Ausrichtung auf das Temperaturziel des Pariser Abkommens zu erreichen.

2021 hat Klima sich erneut als ein Thema erwiesen, das auch in Krisenzeiten Zusammenarbeit ermöglicht. Die geopolitischen Verhältnisse werden jedoch auch im Jahr 2022 unbeständig bleiben.

Der Klimapakt von Glasgow ebnet den Weg für ein höheres Tempo der Klimaschutzmaßnahmen. Jedoch wurde auf der COP26 deutlich, dass viele Schwellenländer hinsichtlich der Transformationsgeschwindigkeit und -finanzierung vorsichtig bleiben. Bis 2022 müssen glaubwürdige Antworten auf die Frage nach erschwinglichen Mitteln für ländergeführte Maßnahmen gefunden werden, die nach dem Modell der südafrikanischen „Just Energy Transition Partnership“ gestaltet sind – ein Test für die Glaubwürdigkeit der G7 und eine Chance für die Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd (-Süd).

Für die notwendigen internationalen Strukturreformen (Entwicklungs- finanzierungsinstitutionen, multilaterale Entwicklungsbanken, IWF) sind stärkere Koalitionen erforderlich, um Investitionen in Klimamaßnahmen und insbesondere in Klimaresilienz fest zu verankern.

Keine Region bleibt von klimabedingten Katastrophen und extremen Wetterereignissen verschont. Angesichts dessen rücken die Auswirkungen des Klimawandels ins Zentrum der internationalen Gespräche. 2021 wurde jedoch auch deutlich, dass weder die (geo-)politischen internationalen Systeme (z. B. der UN-Sicherheitsrat) noch das internationale Wirtschaftssystem (einschließlich der Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen oder des IWF) schon für Aufgaben geeignet sind, die sich in einer stark vom Klimawandel betroffenen Welt stellen.

2021 haben einige Länder ihre Bemühungen fortgesetzt, „Koalitionen der Willigen“ für sektorale Verpflichtungen ins Leben zu rufen und auszuweiten. Die COP26 zeigte jedoch, dass deutlich klarere Mechanismen für Transparenz, Nachverfolgung und Rechenschaftspflicht erforderlich sind. Zu den wichtigsten Aufgaben für 2022 gehören der Übergang von Ankündigungen zur konkreten Umsetzung. Außerdem muss die Frage geklärt werden, in welchen Bereichen die sektoralen Verpflichtungen bis 2030 zu weiteren Maßnahmen führen können.

Die G7 als Format steht unter aufmerksamer Beobachtung – sie bleibt ein Format mit starker Signalwirkung, wird jedoch sowohl an der glaubwürdigen auf nationalstaatlicher Ebene sowie an ihrer Fähigkeit gemessen werden, ihre Verpflichtungen auf die gesamte G20 auszuweiten. Dafür sind eine weitgehende Abstimmung mit der indonesischen G20, Solidarität mit Ländern mit niedrigerem Einkommen und die Erfüllung von Zusagen erforderlich.

Lesen Sie hier das Briefing.

Lesen Sie hier das Briefing auf Englisch.

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