Commentary

Zum Bewältigen der Klimakrise benötigen wir eine geeinte Weltordnung

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Man stands in a gap between blue solar panels, aerial view. Solar energy farm in Kolondiéba, Mali provides an alternative to thermal diesel to provide electricity. Photo by CIF Action on Flickr.
Solar energy farm in Kolondiéba, Mali provides an alternative to thermal diesel to provide electricity. Photo by CIF Action on Flickr.

Bisher wurde die Klimakrise vor allem im Rahmen der UN-Klimakonvention diskutiert. Doch wenn die Länder beginnen, ihre Klimaziele umzusetzen, wird eine internationale Architektur der Zusammenarbeit gebraucht: eine Weltklimaordnung – ein globales System kooperativer Strukturen, Regeln und Bündnisse.

Der Krieg in der Ukraine zerrüttet die auf Regeln basierende Weltordnung. Globale Institutionen wie die UNO geraten zunehmend ins Stocken. Die Spaltung vertieft sich zwischen den Gegnern der russischen Invasion im Westen und denjenigen, die wie China und Indien nachsichtiger sind,.

Die in die Höhe schießenden Kraftstoff- und Lebensmittelpreise lösen eine humanitäre Krise aus, insbesondere im Globalen Süden. Die Aussichten auf internationale Zusammenarbeit, sei es im Handel oder bei der Abrüstung, werden immer schlechter. Sogar Atomwaffen sind wieder zu einem gefährlichen und spaltenden internationalen Thema geworden.

Aber es gibt noch eine andere Bedrohung für das Überleben der Zivilisation, die paradoxerweise gleichzeitig einen Weg zu globaler Zusammenarbeit und größerer Stabilität bieten könnte. Alle Länder sind der gemeinsamen Gefahr der Klimaerwärmung konfrontiert.

Bisher wurde diese existenzielle Krise vor allem im Rahmen der UN-Klimakonvention diskutiert. Doch wenn die Länder beginnen, die von ihnen zugesagten Ziele umzusetzen, wird eine breite internationale Architektur der Zusammenarbeit erforderlich sein, eine Weltklimaordnung – ein System kooperativer Strukturen, Regeln und Bündnissen, die Handel, Entwicklung und Technologie umfasst.

Wenn diese Weltklimaordnung richtig konzipiert ist, wird sie die Verbindungen zwischen Ländern und Blöcken vertiefen und das zerrissene Gewebe der internationalen Zusammenarbeit neu weben.

Schlüsselrolle für Deutschland und die G7

Ab heute treffen sich die Klima-, Energie- und Umweltminister der G7 in Berlin, um auch die Reaktion der G7 auf den Klimawandel zu erörtern und den G7-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Ende Juni vorzubereiten.

Deutschland, das in diesem Jahr den G7-Vorsitz innehat, kommt hier eine Schlüsselrolle zu. Die Bundesrepublik sollte sich für einen inklusiven „Klimaclub“ einsetzen, d. h. für ein offenes Klimabündnis, das das Pariser Abkommen ergänzt und auf eine breite globale Beteiligung zielt, um auch die weniger entwickelten Länder mit ins Boot zu holen.

Deutschland sollte die G7 außerdem dazu bringen, konkrete Fortschritte auf dem Weg jedes Landes zur Klimaneutralität und bei ihren Versprechen aus dem Klimapakt von Glasgow in Angriff zu nehmen. Es sollte ferner dafür sorgen, dass die G7 ihr Versprechen einhalten, die globale Investitionslücke bei nachhaltiger Infrastruktur und erneuerbaren Energien zu schließen, indem “von Milliarden auf Billionen” umgeschichtet wird, Klimapartnerschaften wie die mit Südafrika noch vor der COP 27 auf den Weg zu bringen und sich mit Resilienz, Anpassung, Verlusten und Schäden zu befassen.

Länder in aller Welt beginnen zu begreifen, wie komplex die Probleme der Umstellung ihrer Energiesysteme auf erneuerbare Energien und der Dekarbonisierung von Industrien wie Stahl und Zement sind. Alle Länder stehen gemeinsam vor diesen sehr schwierigen Herausforderungen.

In der EU und in China sind Kohlenstoffmärkte ein zentrales Instrument zur Förderung der Dekarbonisierung geworden und die Idee eines „Klimaclubs“ von Ländern mit gemeinsamen Kohlenstoffpreisen und -regeln rückt immer mehr in den Vordergrund.

Auch die internationalen Bemühungen um die Vereinbarung gemeinsamer „grüner“ Standards in Sektoren wie der Stahlerzeugung gewinnen an Zugkraft. Die Regierungen denken darüber nach, welche Anreize, Subventionen, Negativanreize und Vorschriften geschaffenwerden können, um die Dekarbonisierung zu beschleunigen.

Länder begreifen die Probleme der Umstellung ihrer Energiesysteme auf erneuerbare Energien und der Dekarbonisierung

Es besteht die Gefahr, dass aus diesen regionalen und nationalen Maßnahmen ein chaotisches Durcheinander konkurrierender Regeln, Vorschriften, Subventionen und Kohlenstoffpreismechanismen entsteht. Dies würde zu endlosen Handelsstreitigkeiten führen, die wiederum in weitere geopolitische Spannungen münden könnten.

Die EU bereitet derzeit einen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) vor, um ihre kohlenstoffpreisgebundenen Produkte vor einer Verlagerung der Produktion aus einer Region mit CO2-Preisen in eine Region ohne diese Preise zu schützen, in der es billiger ist, zu produzieren.

Der Mechanismus hat einen positiven Zweck, aber in den USA und China sehen ihn einige als protektionistischen Zoll an. Neue Handelskriege würden das geopolitische Feuer nur weiter anheizen.

Stattdessen brauchen wir ein neues globales und harmonisiertes System von Regulierungen, Subventionen und Kohlenstoffpreisen, um die Dekarbonisierung voranzubringen, Streitigkeiten zu minimieren und die Kosten der Auswirkungen der Klimaerwärmung, die vor allem im Globalen Süden zu spüren sind, in den Griff zu bekommen.

Das System müsste den Bedürfnissen der Entwicklungsländer, die möglicherweise länger für den Übergang zu einer kohlenstofffreien Wirtschaft brauchen, Rechnung tragen und diese nicht benachteiligen. Das System muss einen Weg finden, um die Kohlenstoffpreise mit nicht-preislichen Mechanismen wie grünen Standards zu harmonisieren, so dass im Ergebnis kohlenstoffarme Produkte entstehen.

Das ist schwierig, aber möglich. Und – angelehnt ans Pariser Abkommen – braucht es einen Mechanismus, mit dem die Kohlenstoffstandards und die Klimaambitionen kontinuierlich erhöht werden, damit die Welt das Ziel von Netto-Null bis 2050 erreicht.

Eine klimapolitisch motivierte Umstellung auf eine boden- und kohlenstoffschonendere Landwirtschaft wird das Risiko einer globalen Lebensmittelpreiskrise, wie sie der Ukraine-Krieg ausgelöst hat, verringern. Die Welt würde dann weniger abhängig sein von einigen wenigen großen Intensivproduzenten.

Globale Vision von gemeinsamen Regeln, Vorschriften und Preisen

Diese Elemente würden zusammen eine globale Vision gemeinsamer Regeln, Vorschriften und Preise ergeben, ein Club, dem jedes Land, insbesondere China und andere große Emittenten, beitreten wollen.

Eine entscheidende Grundlage wäre dabei eine „Nord-Süd-Solidarität“ in Form von Billionen Dollar an privaten und öffentlichen Finanzmitteln, die zur Finanzierung der Dekarbonisierung und zur Kompensation der durch die Klimaerwärmung verursachten Schäden benötigt werden.

Andere klimapolitische Maßnahmen können auf unterschiedliche Weise zu Stabilität beitragen. Ein schnellerer Übergang zu erneuerbaren Energien wird die Energieunabhängigkeit fördern, den giftigen und konfliktträchtigen Einfluss der Petro-Politik, ob aus Russland oder dem Nahen Osten, verringern und die Energiepreise stabilisieren.

Diese Vision harmonisierter Regeln und der Solidarität zwischen Nord und Süd zu verwirklichen, wird diplomatische Anstrengungen, Ressourcen und harte, detaillierte Arbeit in den komplizierten, schwer zu transformierenden Sektoren wie Stahl und Zement erfordern. Sie muss mehrdimensional sein und sowohl sektorale Maßnahmen wie grüne Standards als auch nationale und regionale Klimarahmen wie Kohlenstoffmärkte einbeziehen.

Dies ist eine positive Vision, der sich alle Länder anschließen können, um eine gemeinsame Bedrohung des Planeten durch den Klimawandel zu bekämpfen. Dies ist eine Lösung des 21. Jahrhunderts für ein dringendes existenzielles Problem.

Was für ein Kontrast zu der Welt des 20. Jahrhunderts, die von geopolitischen Rivalitäten und Konflikten geprägt ist, wie wir sie heute in der Ukraine, in Syrien und darüber hinaus erleben

Gastbeitrag für Klimareporter.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch verfügbar.

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