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Deutschland sollte die globale Nachfragereduktion von Erdgas ins Zentrum setzen

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Deutschland, Erdgas Rohre

2019_14 Rohre verlegen” by MilchAuge is licensed under CC BY-NC-SA 2.0 .

Deutschland sollte sich für mehr internationale Abstimmung zur Reduktion des Gasverbrauchs einsetzen. Die Senkung der weltweiten Erdgasnachfrage ist zentral für die Lösung der aktuellen Energiekrise und die globale Abkehr von fossilen Brennstoffen.

Die Sorge vor einem “Gasnotstand” hat viele in Deutschland in Besitz genommen.  Mitte Juli 2022 ist Nord Stream I wartungsbedingt völlig abgeschaltet – ob es danach wieder zu Gasflüssen kommt, ist ungewiss.

Um die Gasspeicher vor dem nächsten Winter sicher zu füllen, die Erpressbarkeit durch Russland’s Elite zu reduzieren und politische Unterstützung für den Kurs des Westens zu erhalten, hilft nur eine Einsparung im Verbrauch. Auf nationaler sowie internationaler Ebene braucht es eine deutsche Anstrengung, welche die Zusammenarbeit zur globalen Nachfragereduktion in den Fokus setzt.

Die bisherige Politik der Bundesregierung nach Außen schadet Deutschlands Führungsrolle in der globalen Energiewende immens: Unterstützung der öffentlichen Finanzierung neuer Gasprojekte zuhause steht im Spannungsverhalten mit dem Versprechen, international keine fossile Infrastruktur mehr öffentlich zu fördern. Dabei sind neue LNG-Exportprojekte meist vier Jahre im Bau, helfen also nicht für die Lösung der aktuellen Krise. Der Abschluss langjähriger Lieferverträge, etwa mit den USA und Katar, gibt Zweiflern der deutschen Energiewende Recht.

Statt einseitig auf LNG zu setzen, sollte sich Deutschland in seiner internationalen Antwort auf die Krise am Hauptziel der Verbrauchsreduktion orientieren. Folgende vier Ansätze sollte Deutschland priorisieren:

  1. Stärkerer Fokus auf den internationalen Ausbau von Energieeffizienzmaßnahmen: Investitionen in Energieeffizienz finden aktuell größtenteils in Industrieländern statt. Dabei könnten gesteigerte Effizienzinvestitionen den Gasverbrauch deutlich reduzieren. Die Internationale Energieagentur berechnete, dass Effizienzmaßnahmen  das Vierfache der russischen EU-Gasexporte überflüssig machen könnten. Gemeinsam mit Industrieländern wie den USA könnte Deutschland hier eine Vorreiterrolle spielen. Als zentrale Partnerländer kommen u.a. Indien, Bangladesch, Nigeria und Mexiko in Frage. Ähnlicher Fokus ist notwendig für den Ausbau der Erneuerbaren oder die Reduktion von Gasverbrauch im Düngemittelherstellung.
  2. Koordinierung mit den EU-Partnern zur sofortigen Nachfragereduktion und zur Umsetzung von RePowerEU: Auf Basis eines eigenen Sofortprogramms zur Gaseinsparung sollte Deutschland sich innerhalb der EU abstimmen, um den Verbrauch von Industrie und Haushalten zu reduzieren. Dazu muss Deutschland die Maßnahmen der von der Europäischen Kommission vorgestellten Strategie „RePowerEU“ unterstützen, durch welche russisches Gas bis 2027 durch Verbrauchsreduktion und erneuerbare Energieträger ersetzt werden soll.
  3. Stärkere Maßnahmen gegen Methan-Lecks: 2021 verursachte der globale Energiesektor 135 Millionen Tonnen an Methan-Emissionen. Strengere Vorgaben an Unternehmen, Lecks zu schließen, hätten einen erheblichen Effekt im Klimaschutz. Sie würden zudem das eingesparte Gas auf den Markt bringen und die angespannte Nachfragesituation abmildern.
  4. Abstimmung mit internationalen Gaskonsumenten: Unkoordinierte Versuche der größten internationalen Abnehmer, möglichst viel LNG zu beziehen, haben bereits jetzt erhebliche negative Auswirkungen auf Schwellenländer wie Pakistan und Sri Lanka. Um eine weitere Eskalierung zu vermeiden, sollte sich Deutschland für eine Abstimmung mit großen Gaskonsumenten wie China, Japan und Korea einsetzen, z.B. für gemeinsame Prinzipien in der Steuerung der Gasflüsse.

Dieser Artikel wurde erst durch Energate Messanger veröffentlicht.

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